Montag, April 16, 2007

"Dilemma of a Girl Living Abroad"---andere Version

Ich bin seit fast sechs Jahren in Deutschland, und hab bisher nur einmal meine Familie besucht, letztes Jahr.
Sechs Jahre Leben in Deutschland hat ihr eigenes Ab und Auf, und ihren Fort- und Rückschritt auf mehrere Lebensfacetten.
Nicht nur sprachliche Barriere ist mir bewusst geworden, sondern auch die menschliche Entfremdung gleiches Ürsprungslandes.
Das gewöhnliche Leben samt ihrer gewöhnlichen menschlichen Umgang in Deutschland ist zwar nicht immer gerade einfach zu verstehen, aber irgendwie angenehmer und 'bekömmlicher', und vor allem lernbar (für mich).
Je älter ich bin, desto bewusster ist es mir geworden, warum ich überhaupt damals von meinem damaligen zu Hause 'abgehauen' bin. Die Reue ist schon völlig nachgelassen, und meine Schuldgefühle sind so gut wie verschwunden. Meine Gedankenlinien sind dagegen deutlicher zu erkennen.
Die erforderliche Kommunikationsfähigkeiten in meinem Ürsprungsland und in Deutschland sind so gewaltig unterschiedlich.


In meinem Ürsprungsland ist es sehr wichtig, was nicht gesagtes zu interpretieren und zu verstehen, es gibt so gut wie nie eine klare Regel oder klare Grenzen.
Deswegen war und ist es immer so sehr schwierig für mich sogar mit meiner eigenen Mutter zu kommunizieren. Ich hasse so sehr den Satz: "Das musstest du ja wissen und verstehen!"
Woher soll ich denn es wissen, was der andere denkt? und gar noch verstehen?
Im geschäftlichen und gesetztlichen Leben herrscht Chaos, hinter dem Chaos herrscht die Macht, hinter der Macht herrscht das Geld, hinter dem Geld herrscht die Mentalität "To Get Rich is Glorious". Die einzige Regel ist Gier.
Diese Mentalität macht mich echt krank, zugleich schäme ich mich auch dafür, da ich damals auch daran geglaubt habe. Ich wollte alle Demütigungen, alle Beleidigungen, alle Beschimpfungen, alle Verletzungen, mit denen ich als Kind zugefügt wurden, damit rächen, wenn ich bloß nur reich und mächtig genug werde.
Ich könnte leider die Regel des Spiels niemals beherrschen, und die Opfergaben dafür machen mich Tag für Tag nur noch kranker. Ich hab aufgegeben, und versucht mit mir selbst Frieden zu schließen.

Wenn jemand mich fragt, ob ich nach dem Studium wohl in die Heimat zurückkehren will, sag ich immer nein.
Die Frage geht auch weiter, natürlich, warum es wohl so ist.

Erstens, man hat allgemein nur zwei Optionen in meinem Ürsprüngsland zu leben, entweder denkst du auch korrupt wie die Majorität, oder lebst du wie ein Häufchen Elend dort.
Es gibt keine faire Gerichtsverhandlungen, und dafür gibt es noch seltsame Gesetze. Es gibt keine intakte Regierung und keine fähige Behörde, und extrem selten noch einen ehrlichen Beamte, dazu fast so gut wie keine ehrliche Polizei.
Deine eigene Sicherheit, die du dir gönnen kannst, wird von der Menge deines Geldes bestimmt.
Wenn man Sicherheit und zugleich 'gerade' leben will, sucht dein Leben irgendwo anders.

Zweitens, dieser Ausdruck Heimat ist mir völlig trub. Ich hab keine Heimat. Ich bin zwar in einem Land geboren, aber seit ich denken und hören kann, wurde ich immer wieder beschimpft und abgewiesen, ich soll raus von dem Land. Meine Hautfarbe und meine Augenformen passen nicht zu dem Land, in dem ich geboren bin.

Warum söllte ich denn ein solches "Attachment" zu dem Land haben?
Was man dort zum Überleben braucht ist bloß immer Schmiergelder parat zu haben, überall und jederzeit. Ein Baby soll bloß nur lernen, ihr verbleibenes Schmiergelder schlau und gut zu verteilen, alles andere kann man mit der Zeit von alleine lernen.

Loyalität habe ich niemals von irgendeinem Mensch gelernt, es ist eine Fatamorgana. Du bist durstig, aber die Phänomene lässt dich nur noch durstiger bis zum Tod.
Ein heiliger musste nicht unbedingt heilig sein, aber klug und weis war er zumindest:
"Dass mir mein Hund das Liebste sei, sagst Du, oh Mensch, sei Sünde. Der Hund blieb mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde." - Franz von Asisi

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

Das ist traurig und man sieht ja leider selbst jetzt noch, dass es so ist ... aber irgendwann wird sich der gerade Weg auch bei mehr Leuten durchsetzen und dann geht es aufwärts ...

16/4/07 11:13 PM  

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